Gerold Steinbach

Ohne Raps geht es nicht!

23.07.2019

Vor knapp einem Jahr hatten wir mit Roger Möckel gesprochen. Aktuell hat er mit der Rapsernte begonnen, und mit den ersten Flächen ist er vom Ertrag sehr zufrieden. Allerdings hat er wegen der andauernden Trockenheit im Herbst 2018 weniger Raps für die Ernte dieses Jahr stehen, als er das geplant hatte.

Interview 2018:

Das sagt Roger Möckel, ein bekennender Rapsfan und Ackerbauer aus Leidenschaft. Wir haben ihn auf seinem Betrieb am Rande der Wetterau in Hessen im Dezember getroffen und ihn gefragt, was den Rapsanbau aus seiner Sicht so besonders macht.

LG: Herr Möckel, Sie beschreiben sich als passionierten Rapsanbauer. Was fasziniert Sie an der Kultur Raps?
Roger Möckel: Kurz gesagt: Rapsanbau ist anspruchsvoll, aber lohnenswert. Der Raps ist eine Kulturpflanze, die auf der einen Seite sehr anpassungsfähig und breit einsetzbar ist. Auf der anderen Seite erfordert Raps aber ein Höchstmaß an ackerbaulichem Know-how. Bei guten Bedingungen und richtigem Management kann ich höchste Erträge erzielen. Und natürlich ist Raps auch eine schöne Pflanze. Wenn im Mai die Felder gelb blühen, ist das einfach ein schöner Anblick, auf den ich nicht verzichten möchte.

LG: Sie sprechen den Aufwand beim Raps an. Viele Landwirte beklagen gerade den hohen Arbeitseinsatz. Wie stehen Sie dazu?

Möckel: Keine Frage: Raps ist keine „Feierabendkultur“. Im Mix mit anderen Kulturen kann ich meine Arbeitsspitzen dank des Rapses aber sogar entzerren. Das gilt für Aussaat, Pflanzenschutz und Ernte gleichermaßen. Nicht zuletzt steigt auch in anderen Kulturen der Arbeitsaufwand, da Beizausstattungen wegfallen. Insofern gilt es mehr denn je, eine Balance zwischen mehreren Kulturen zu finden. Und da gehört der Raps aus meiner Sicht immer dazu.

LG: Es scheint, dass sich doch einige Landwirte vom Raps verabschieden. Was entgegnen Sie diesen Berufskollegen?

Möckel: Man sollte die Bedeutung der Fruchtfolge nicht unterschätzen. Raps hat einen hohen Vorfruchtwert und bietet gute Aussaatbedingungen für die Folgekultur. Auch der frühe und flexible Erntetermin spricht für den Raps, gerade im Vergleich zu Körnermais oder Zuckerrüben. So kann der folgende Weizen zeitig gedrillt werden. Nicht zu vernachlässigen ist, dass ich bei der Rapsernte meine eigene Technik einsetzen kann und diese somit besser auslaste.

LG: Wäre in Ihrem Betrieb eine Fruchtfolge ohne Raps denkbar?

Möckel: Auf keinen Fall. Unser Betrieb hat sehr unterschiedliche Flächen mit Bodenpunkten von 25 bis 90. Gerade auf den schwächeren Standorten macht sich der Raps sehr gut. Da wir auch mit Erosion zu kämpfen haben, ist eine Winterbegrünung wichtig.

LG: Welche Bedeutung hat die Sortenwahl für Sie? Möckel: Die Sortenwahl hat einen sehr hohen Stellenwert. Ich versuche immer, vom Zuchtfortschritt zu profitieren, und teste schon sehr früh ganz neues Material. So habe ich bereits 2016 mit LG ARCHITECT eine virusresistente Sorte getestet. Mittlererweile habe ich zu 100 % virusresistente Sorten im Anbau.

LG: Das heißt, gesunde Sorten sind entscheidend?

Möckel: Die Gesundheit einer Sorte ist wichtig, wenn dadurch der Ertrag optimiert wird. Die Zukunft im Pflanzenschutz ist ungewiss. Da ist es umso bedeutender, genetische Alternativen aus der Züchtung zu nutzen.

LG: Durch die Veränderung politischer Rahmenbedingungen entstehen neue Herausforderungen an den Raps. Welche neuen Themen könnten an Bedeutung gewinnen?

Möckel: Ich persönlich stelle eine wachsende Ausbreitung von Verticillium fest und achte schon jetzt auf tolerante Sorten. Auch die Bedeutung der Jugendentwicklung wird zunehmen, denn der Grundstein für robuste Bestände und hohe Erträge wird im Herbst gelegt.

LG: Sie sprechen die Erträge an. Was ist Ihre persönliche Erfolgsformel für Höchsterträge im Raps?

Möckel: Es fängt für mich mit einer zeitigen Aussaat an. Ab dem 24. August säen wir den Raps. So kann ich eine üppige Herbstentwicklung beschleunigen. Es folgt mindestens eine Fungizidbehandlung im Herbst mit azolhaltigen Produkten, um Phoma vorzubeugen. Natürlich muss der Insektenbefall intensiv beobachtet und ggf. bekämpft werden. Im Frühjahr dünge ich zeitig an und verzichte auch nicht auf eine Blütenbehandlung. LG: Trotz der intensiven Betreuung der Rapsflächen: In vielen Regionen waren die Ernteergebnisse aus Landwirtesicht nicht zufriedenstellend. Wie lief Ihre Ernte?

Möckel: Ich bin sehr zufrieden und konnte einen Durchschnittsertrag über alle Flächen von mehr als 44 dt/ha erzielen. Und das bei 43,7 % Öl. Ich bin überzeugt, dass die Virusresistenz der Sorten einen hohen Anteil am Erfolg hatte, denn bei uns lag der Befall bei 85 %.

LG: Das sind erfreuliche Ergebnisse. Wir danken für das offene Gespräch und wünschen weiterhin viel Spaß und viel Erfolg im Rapsanbau.