Die Vegetation 2026 hat erneut gezeigt, wie stark Witterungsextreme die Entwicklung des Winterweizens beeinflussen können. Trockenphasen und hohe Temperaturen prägten insbesondere die entscheidenden Entwicklungsabschnitte im Frühsommer.
Je nach Region, Standort und Bodenart waren die Auswirkungen sehr unterschiedlich. Während tiefgründige Böden länger von ihren Wasserreserven profitieren konnten, gerieten Bestände auf leichteren Standorten deutlich früher unter Trockenstress.
Wiederholte Hitzeperioden Ende Juni und im Juli beschleunigten schließlich die Abreife. Die Kornfüllungsphase wurde verkürzt und die Ernte begann vielerorts früher als gewohnt.
Gerade unter solchen Bedingungen zeigt sich, welchen Wert angepasste, gesunde und ertragsstabile Sorten haben.
Die diesjährigen Ergebnisse zeigen erneut deutliche Unterschiede zwischen Standorten und Anbauregionen. Gleichzeitig wird sichtbar, welche Sorten auch unter schwierigen Bedingungen ihr Ertragspotenzial ausschöpfen können.
Für die Sortenwahl reicht es deshalb längst nicht mehr aus, ausschließlich auf den maximal möglichen Ertrag unter optimalen Bedingungen zu schauen.
Gefragt sind Sorten, die mit unterschiedlichen Situationen umgehen können: Trockenphasen, Hitze, wechselnde Saattermine, Krankheitsdruck oder eine begrenzte Nährstoffverfügbarkeit.
Eigenschaften wie Umweltstabilität, Winterhärte, Blatt- und Ährengesundheit, Standfestigkeit und Fallzahlstabilität gewinnen damit weiter an Bedeutung.
Neben den klimatischen Herausforderungen bleibt auch das wirtschaftliche Umfeld für viele landwirtschaftliche Betriebe anspruchsvoll. Die finanzielle Situation ist auf zahlreichen Betrieben derzeit angespannt. Schwankende Erzeugerpreise treffen auf weiterhin hohe Kosten für Betriebsmittel, Maschinen, Energie und Finanzierung. Gleichzeitig erschweren volatile Märkte die Planung.
Auch geopolitische Konflikte und insbesondere der Krieg in der Ukraine beeinflussen weiterhin internationale Warenströme und sorgen gemeinsam mit Erntemengen, globaler Nachfrage und Logistik für Bewegung an den Getreidemärkten.
Für viele Betriebe geht es deshalb aktuell weniger darum, einzelnen Preisspitzen hinterherzulaufen, sondern darum, verlässlich und wirtschaftlich zu produzieren.
Gerade beim Winterweizen bedeutet das: Jeder zusätzliche Dezitonnen-Ertrag zählt – gleichzeitig müssen Produktionskosten, Ertragssicherheit und die für die Vermarktung erforderliche Qualität zusammenpassen.
Damit gewinnt auch die Sortenwahl weiter an Bedeutung. Hohe und stabile Erträge, eine gute Pflanzengesundheit und sichere Qualität können dazu beitragen, das wirtschaftliche Risiko im Anbau zu begrenzen.
Die passende Sorte löst die wirtschaftlichen Herausforderungen eines Betriebes nicht – sie ist aber ein wichtiger Baustein, um das vorhandene Ertragspotenzial möglichst effizient auszuschöpfen.
Die Erfahrungen aus 2026 sprechen dafür, die Sortenwahl noch stärker an den betrieblichen Anforderungen auszurichten.
Soll vor allem ein hoher A-Weizenertrag erzielt werden? Stehen Protein und Qualität im Vordergrund? Wird aufgrund des Standortes eine frühe Abreife benötigt? Oder sind Robustheit und eine möglichst unkomplizierte Bestandesführung entscheidend?
Das LG Winterweizenportfolio bietet dafür unterschiedliche Sortentypen:
| Anforderung | Sorte | Profil |
| Hoher A-Weizenertrag | LG OPTIMIST | Ertragsbetonter A-Weizen mit breiter Leistungsfähigkeit |
| Frühe Abreife + Protein | ATTRAKTOR | Früh, begrannt und standfest - verbindet Ertrag und Protein |
| Unkomplizierter B-Weizen | SPECTRAL | Robust, ausgewogen und einfach in der Bestandesführung |
| Ertrag + Blattgesundheit | LG RESONANZ | Hohes Ertragspotenzial kombiniert mit ausgeprägter Rostgesundheit |
| Spezielle Vermarktung | LG NIKLAS | CK-Weizen mit Kekseignung |
LG OPTIMIST bestätigt auch 2026 sein hohes Ertragspotenzial. Über eine breite Datenbasis aus den Landessortenversuchen erreicht der ertragsbetonte A-Weizen erneut ein sehr hohes Leistungsniveau.
Seine Stärke liegt dabei nicht allein im Spitzenertrag. LG OPTIMIST verbindet seine Ertragsleistung mit einem ausgewogenen agronomischen Profil.
Eine gute Winterhärte, gute Fusariumresistenz, sehr gute Resistenzeigenschaften gegenüber Gelb- und Braunrost sowie eine hohe und stabile Fallzahl machen die Sorte zu einem robusten A-Weizen für unterschiedliche Anbaubedingungen.
Gerade ein Jahr wie 2026 unterstreicht die Bedeutung dieser Kombination: Ertragspotenzial muss auch unter wechselnden Umweltbedingungen abrufbar bleiben.
Die Erfahrungen der vergangenen Jahre rücken auch die Abreife stärker in den Fokus der Sortenwahl.
Mit ATTRAKTOR steht ein früher, begrannter A-Weizen zur Verfügung, der frühe Abreife mit Ertrag und Protein verbindet.
Die Sorte ist frohwüchsig, kurz und standfest und verfügt über ein starkes Resistenzprofil bei Gelb- und Braunrost sowie Fusarium. In zwei Jahren EUSV konnte ATTRAKTOR ertraglich überzeugen und geht nun den nächsten Schritt in die Landessortenversuche.
Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Hitze- und Trockenperioden bietet ein früher Sortentyp eine interessante zusätzliche Option innerhalb der betrieblichen Sortenstrategie.
SPECTRAL steht für eine unkomplizierte Bestandesführung, ein ausgewogenes Gesundheitsprofil und Robustheit in der Praxis. Damit bleibt die Sorte insbesondere dort interessant, wo ein verlässlicher und einfach zu führender B-Weizen gefragt ist.
LG RESONANZ setzt andere Schwerpunkte. Die Sorte kombiniert ein hohes Ertragspotenzial mit einer ausgeprägten Blatt- und insbesondere Rostgesundheit. Bereits im ersten LSV-Jahr konnte LG RESONANZ in wichtigen Anbauregionen trotz der herausfordernden Witterung sein Potenzial zeigen.
Niemand weiß heute, welche Witterung die kommende Vegetation bringt.
Genau deshalb gewinnt die Wahl des richtigen Sortentyps weiter an Bedeutung. Ertragspotenzial bleibt entscheidend – muss aber zunehmend mit Gesundheit, Umweltstabilität, Qualität und einer zum Standort passenden Abreife kombiniert werden.
Dabei kann es sinnvoll sein, nicht ausschließlich auf einen Sortentyp zu setzen, sondern unterschiedliche Eigenschaften im Betrieb miteinander zu kombinieren.
Die richtige Sorte kann das Wetter nicht verändern. Sie kann aber dabei helfen, besser mit seinen Folgen umzugehen.
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