LG Raps - Züchtung und Fachinformationen

Rapsertrag trifft Resistenz

Rapsertrag ist Züchtungskriterium Nummer eins - Ertrag ist das A&O für eine moderne Rapssorte, denn Saatgut ohne wettbewerbsfähige Ertragsleistung hat keine Chance im Markt zu bestehen. Zuerst also die Ertragsleistung, und dann die Absicherung durch weitere Züchtungsmerkmale (z.B. Resisistenzen) - darum muss es gehen.

Resistenzen und Winterhärte

Limagrain arbeitet erfolgreich an verschiedenen Merkmalen zur Sicherung der Leistung. Das Ziel dieser Arbeit ist es, das genetische Ertragspotential einer Sorte für den Landwirt in der Ernte zu erhalten, das Potential also abzusichern. Im Winterraps geht es hier z.B. um Resistenzen gegen verschiedene Erkrankungen (z.B. gegen Phoma oder gegen Kohlhernie), sowie eine gute Winterfestigkeit der Sorten. Resistenz und Winterhärte dienen dem Schutz der Pflanze im Feld.

Raps - Ertragspotenziale optimal nutzen

Bedeutung des Rapses

Raps gehört zu den wichtigsten Ackerkulturen in Deutschland und steht von der Anbaubedeutung hinter Weizen und Mais auf Platz drei. Dank der Züchtung der 00-Rapssorten in den 1970er Jahren ist der Einsatz von Raps vielfältiger und attraktiver geworden. Zudem ist der Vorfruchtwert des Rapses in Fruchtfolgen mit Getreideanteil sehr wichtig.

Der Rapsanbau lohnt sich, erfordert aber viel Know-how im Anbau. In der langen Vegetationsphase ist der Raps verschiedenen Schädlingen und Krankheitserregern ausgesetzt, die  den Ertrag mindern können. Rapsanbau ist demnach kein Selbstläufer und bedarf viel Aufmerksamkeit und der richtigen Maßnahmen, um die enormen Ertragspotenziale der Rapssorten zur Ernte einfahren zu können.

In unserer anschaulichen Fachbroschüre wird der Rapsanbau über den kompletten Vegetationsverlauf von der Aussaat bis zur Ernte beleuchtet. Dabei werden potenzielle Gefahren und Risiken erklärt sowie entsprechende Maßnahmen und Lösungen zur Vermeidung von Ertragseinbußen vorgestellt.  

Rapsaussaat und sichere Bestandsetablierung

Erfolgreicher Rapsanbau hängt von vielen Faktoren ab. Er beginnt mit der richtigen Bodenbearbeitung und einer Aussaat, die eine Optimierung der regional sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen anstrebt. Auch die typische Herbstentwicklung einer Rapssorte gilt es bei der Sortenwahl im Blick zu behalten, um vom ersten Moment an die Voraussetzungen für einen maximalen Ertrag zu schaffen.

Bodenbearbeitung, Saatbettbereitung und Aussaat

Bodenbearbeitung:

Patentrezepte für die richtige Bodenbearbeitung gibt es nicht, diese hängt stark vom Standort und den betrieblichen Strukturen ab. Dabei finden aktuell mehrere Verfahren wie Pflugsaat, Mulchsaat, Direktsaat und Strip-Till Anwendung. Ziele der Bodenbearbeitung sind ein guter Feldaufgang und die sichere Etablierung des Rapsbestandes. Darum sollte das Rapssaatgut am besten direkt nach der Bodenbearbeitung gedrillt werden, um vorhandene Bodenfeuchtigkeit zu nutzen und eine gute Vorwinterentwicklung zu begünstigen. Außerdem ist das Strohmanagement ein wichtiger Aspekt bei der Bodenbearbeitung, wobei es darum geht, die Strohrotte zu fördern und die Bildung von Strohmatten zu vermeiden. Bei der Pflugsaat wird das Auftreten von Schnecken und Mäusen minimiert sowie störende Rückstände der Vorfrucht vergraben.

Saatbettbereitung

Raps ist eine „Feinsämerei“ und verfügt über entsprechend geringe Energiereserven im Keim (geringes TKG). Dadurch stellt die Kultur hohe Ansprüche an die Saatbettqualität. Durch eine gute Saatbettbereitung wird das Risiko verminderter Feldaufgänge reduziert und ein störungsfreies Auflaufen gewährleistet. Ein unkrautfreies, gut rückverfestigtes und feinkrümeliges Saatbett mit gleichmäßiger Verteilung der organischen Masse in der Ackerkrume ist die ideale Voraussetzung für einen guten Rapsertrag.

Raps Aussaatzeit

Der optimale Aussaatzeitpunkt kann je nach Standort und jahresbedingten Gegebenheiten regional sehr unterschiedlich sein. Somit kann die Aussaat von Mitte August bis in den September hinein erfolgen. Als optimales Aussaatfenster gilt der Zeitraum vom 20. bis 30. August.

Richtwerte für die ideale Aussaatmenge - keimfähige Körner/m²

Saattermin Liniensorten Hybridsorten
Frühsaat (10. – 20. August) 45 – 50 35 – 40
Normalsaat (20. – 31. August) 50 – 55 40 – 45
Spätsaat (01. – 10. September) 50 – 55

Bei idealen Saatbedingungen bzw. bei Einsatz besonders exakter Ablagetechnik (z.B. Einzelkornsaat) kann die Saatgutmenge reduziert werden. Hierbei ist i.d.R. eine flache Aussaat von 1–2 cm Saattiefe anzustreben. Bei Hybridsorten sollte die Aussaatstärke gegenüber den Liniensorten um ungefähr 20% geringer gewählt werden. Da hier nicht alle Sorten gleich reagieren, ist die sortenspezifische Empfehlung zu beachten. Angestrebt wird ein Rapsbestand mit 25–40 gleichmäßig verteilten Pflanzen/m². 

Aussaatmenge (kg/ha) = ( TKG (g) x Körner/m² ) / (Keimfähigkeit (%))

Sortenwüchsigkeit - den Raps optimal über den Winter bekommen

Um einen Rapsbestand gut über den Winter zu bekommen und beste Voraussetzungen für eine ideale Frühjahrsentwicklung und damit für höchste Rapserträge zu schaffen, wird bei Vegetationsende der „ideale Rapsbestand“ angestrebt: 

  • 8-12 Laubblätter
  • 10-15 mm Wurzelhalsdurchmesser
  • Keine Stängelbildung
  • Ausgeprägtes Wurzelsystem
  • Gesunder Blatt- und Wurzelapparat

Abhängig von den Erfahrungen am eigenen Standort sind an diesem Ziel alle ackerbaulichen Maßnahmen wie Saatzeitpunkt, Sortenwahl, Pflanzenschutz etc. auszurichten.

Besonders bei warmer Herbstwitterung – gepaart mit  einem frühen Saattermin und einer üppigen Stickstoffnachlieferung – besteht die Gefahr, dass es bereits im Herbst zur Stängelbildung kommt. Dies kann im ungünstigsten Fall Frostschäden nach sich ziehen. Gleiches gilt für unterentwickelte Pflanzen zum Vegetationsende (s. Abb. unten). Darum sollte die typische Herbstentwicklung der Rapssorte stets beachtet und entsprechend genutzt werden: Stark wüchsige Sorten sollten eher bei späten Aussaatterminen oder schwierigen Bodenverhältnissen (kalt, nass) gewählt werden. Bei frühen Saatterminen bzw. bei absehbar guten Bedingungen im Herbst sollte die Wahl hingegen auf weniger stark wüchsige Sorten fallen.  

Ist jedoch trotz angepasster Sortenwahl ein Überwachsen der Bestände absehbar, sollte im 4 – 6-Blatt-Stadium mit einem Wachstumsregulator „gebremst“ werden. Bei sehr wüchsigen Bedingungen (langer, milder Herbst) kann teilweise eine zweite Behandlung notwendig werden.

Schneckenbefall gefährdet den Winterraps insbesondere im Jugendstadium zwischen Keimung und dem 4-Blatt-Stadium. Der Fraß an den Jungpflanzen kann zur Umbruchwürdigkeit bzw. zum Totalausfall des Bestandes führen. Anhaltende Feuchte mit Temperaturen zwischen 15 und 20 °C fördern die Vermehrung und Fraßaktivität. Die Schnecken wandern oft von den Feldrändern in die Bestände ein, entsprechend treten in den Randbereichen meistens die ersten Schäden auf. Die Schädlinge können aber auch aus tieferen Bodenschichten an die Oberfläche wandern und an diversen Stellen zum Vorschein kommen. 

Die häufigste Bekämpfung ist die Ausbringung von Schneckenkorn (Schadschwelle: 5 Schnecken/m²). Darüber hinaus sind ackerbauliche Maßnahmen wie intensive Bodenbearbeitung und eine etwas spätere, tiefe Aussaat mit guter Rückverfestigung präventiv zu nutzen.

Vorbeugungs- und Bekämpfungsmaßnahmen:

  • Gute Rückverfestigung bei der Bodenbearbeitung
  • Anwalzen der Ackerkrume nach der Saat
  • Schneckenkorn streuen, ggf. nur Randbehandlung
  • Ausbringung von Kalkstickstoff

Feldmäuse treten insbesondere in Regionen mit besseren, tiefgründigen Ackerböden auf. Der Mäusefraß kann in jungen Rapsbeständen enorme Schäden anrichten. Durch zunehmend pfluglose Bodenbearbeitung und milderes Klima häufen sich populationsstarke Jahre des Nagers. Ziele der Feldmausbekämpfung sind, dem Schädling die Lebensgrundlagen zu nehmen und natürliche Feinde zu unterstützen. Dies gelingt v.a. durch eine intensive Bodenbearbeitung, bevorzugt mit dem Pflug. Regelmäßiges Mähen oder Mulchen von Feldrändern sorgt dafür, die Bildung von Rückzugsräumen für den Schädling einzuschränken. Darüber hinaus sorgt das Aufstellen von Sitzkrücken für Greifvögel für eine natürliche Kontrolle. Als direkte Bekämpfungsmöglichkeit bleibt letztlich das Ausbringen von Feldmaus ködern per Legeflinte. 

Vorbeugungs- und Bekämpfungsmaßnahmen:

  • intensive/wendende Bodenbearbeitung mit guter Rückverfestigung
  • Regelmäßige Pflege und Kurzhalten der Feldränder
  • Aufstellen von Sitzkrücken für Greifvögel
  • Ausbringung von Feldködern per Legeflinte

Schadbilder und Beschreibung

Seit dem Wegfall von insektiziden Beizen hat der Rapserdfloh wieder an Bedeutung gewonnen. Ab Aussaat fliegt der 3 – 5 mm große, schwarz glänzende Käfer in die Raps bestände ein und verursacht den typischen Lochfraß an den jungen Blättern. Dabei kann es im Extremfall, gerade bei schwachen Beständen, zu einem bestandsgefährdenden Schaden kommen. Hauptschädling ist jedoch die bis 7 mm lange, weißliche  Larve, die aus den im Boden abgelegten Eiern in Pflanzennähe schlüpft. Von Oktober bis Mai schädigen die Larven durch Minierfraß in Blattstielen und Trieb und begünstigen dadurch vermindertes Wachstum, Infektion durch Pilzkrankheiten und Auswinterung.

Bekämpfungsmaßnahmen und -Richtwerte

Zur Bekämpfung des Schädlings sind lediglich Pyrethroid Spritzungen zugelassen. Diese sind aktuell noch wirksam, allerdings wurden auch beim Rapserdfloh gegenüber dieser Wirkstoffgruppe bereits Resistenzen festgestellt. Daher sind unter regelmäßiger Bestandskontrolle die Bekämpfungsrichtwerte zu berücksichtigen. Bei Überschreitung muss unmittelbar reagiert werden, unnötige Spritzungen sind jedoch zu unter lassen.

Bekämpfungsrichtwerte Rapserfloh:

  • > 50 Käfer pro Gelbschale in drei Wochen
  • > 10% zerstörte Blattfläche
  • ab 3-5 Larven pro Pflanze im Oktober/November

Beschreibung

Die Kleine Kohlfliege (Delia  radicum L.) tritt in drei Generationen von April bis Oktober auf, jedoch schädigen nur die Larven der dritten Generation den Winterraps.  Die weißlichen, bis 9 mm langen Larven schlüpfen aus den zwischen August und Oktober am Wurzelhals abgelegten Eiern. Von den Seiten wurzeln aus fressen sich die Larven bis zur Pfahlwurzel. Dabei werden große Teile des Wurzelapparates zerstört, was bis zum Absterben der Jungpflanzen führen kann. Nach 2 bis 4 Wochen Fraßaktivität verpuppen sich die Larven und überwintern als Tönnchenpuppen im Boden.

Maßnahmen zur Schadensbegrenzung:

  • Intensive Bodenbearbeitung nach der Rapsernte verringert den Schlupf der nächsten Fliegengeneration
  • Spätere Saat-Termine
  • 40 bis 50 keimfähige Körner/m² nicht unterschreiten
  • Durch Ausfallrapsbekämpfung "grüne Brücken" minimieren.

Besiedlung junger Rapsbestände

Die Grüne Pfirsichblattlaus (Myzus persicae) verbreitet vor allem das Wasserrübenvergilbungsvirus TuYV (Turnip Yellows Virus). Der Befall ist oft flächendeckend, hängt aber sehr stark von der Witterung und von der Verbreitung der Blattläuse ab. Der junge Winterraps wird bereits kurz nach dem Auflaufen von geflügelten Blattläusen besiedelt. Zu dieser Zeit kommen die Blattläuse von Zwischenwirten und sind bereits mit dem Virus infiziert.

Ausbreitung der Virus­ Infektion im Raps

Bei warmer Herbstwitterung entwickeln sich bereits vor dem Winter starke Blattlauspopulationen, die die Rapsbestände in einer ganzen Region mit dem Virus infizieren können. Mit kürzerer Tagesdauer wandern die Blattläuse ab und überwintern in Pfirsichbäumen. In milden Wintern können die Populationen auch in den Rapsbeständen überdauern und das Virus pausenlos weiterverbreiten. Bei Frühjahrsbeginn verlassen die Blattläuse das Winterquartier, infizieren sich auf dem Raps erneut und setzen dort die Ausbreitung fort. 

Überdauerung der Blattläuse im Sommer

Gleichzeitig tragen die Blattläuse das Virus auch auf andere Kulturen bzw. Wildpflanzen wie Körnerleguminosen, Spinat oder Löwenzahn. Diese dienen dem Virus als Zwischenwirt. Dadurch bleibt auch in der Zeit, in der kein Raps auf den Feldern steht, immer ein Virus-Reservoir bestehen. Von den infizierten Zwischen wirten erfolgt im Herbst beim Auftreten von Blattläusen eine Neuinfektion des jungen Rapses.

TuYV - weiterführende Informationen hier auf der Website nachlesen

Sichere Überwinterung

Das A und O einer sicheren Überwinterung ist die Größe der Rapspflanze zum Ende der Vegetationszeit.

Inwieweit eine frühzeitige Wachstumsregulierung nötig wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Bei der Winterhärte von Sorten gibt es deutliche Unterschiede.

Es lässt sich nicht pauschal beantworten, ob Rapsbestände im Herbst mit einem Azol-Fungizid oder einem Wachstumsregler behandelt werden müssen. Es kommt immer auf die schlagspezifische Situation an.

Wurde im Extremfall eine wüchsige Sorte zum frühen Termin gesät und zeigt der Bestand bei sommerlichem Wetter bereits im September ein üppiges Wachstum, so muss unbedingt im 4–6-Blatt-Stadium beherzt eingegriffen werden, damit es nicht zur Stängelbildung vor Vegetationsende, dem sogenannten „Überwachsen“, kommt.

Das Ziel ist hierbei, den Vegetationskegel am Boden zu halten, damit die Pflanzen nicht vom Frost geschädigt werden. Bei trockenem Saatbett kann es durch verzögertes Auflaufen zu erheblichen Größenunterschieden der Pflanzen kommen. Diese Wuchsunterschiede können durch eine Wachstumsregler-Maßnahme „glattgezogen“ werden. Ziel der Behandlungsmaßnahme ist es, stets einen gesunden und gleichmäßig entwickelten Bestand mit am Boden liegendem Vegetationskegel in die Winterruhe zu führen!

Der Grundstein für stabile Rapserträge sind gesunde und gut entwickelte Pflanzen, die im Frühjahr zeitig in das generative Wachstum starten. Um eine optimale Überwinterung zu gewährleisten, dürfen die Rapspflanzen bei Vegetationsende weder zu klein noch zu groß sein. Bei einem zu spät gesäten Raps, der nicht weit genug entwickelt ist, erreichen die Pflanzen das Stadium der maximalen Frosttoleranz vor Winter nicht. Hin gegen führt eine zu frühe und gleichzeitig sehr dichte Aussaat bereits im Herbst zu üppigem Wuchs und ggf. zu Austrieb des Stängels. Winterraps kann das Zurückfrieren der Blätter und Temperaturen von minus 20 °C problemlos überstehen. Hat sich der Vegetationskegel bereits vom Boden abgehoben, entstehen bei Kahlfrösten erhebliche Schäden. 

Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass eine gute Überwinterung keinesfalls selbstverständlich ist und dass es deutliche Sortenunterschiede bei der Winterhärte gibt. Waren vor ein paar Jahren alle schnell wachsenden Sorten nicht ausreichend winterhart, so gibt es heute zahlreiche Hybridsorten, die Frohwüchsigkeit und Winterhärte vereinen.

Zur Verhütung von Auswinterungsschäden sind folgende Kriterien zu beachten: 

  • Standortgerechter Saattermin
  • Bestandesdichte nicht überziehen
  • Winterharte Sorte auswählen
  • Wachstumsregler-Einsatz bei Bedarf

Auch im Frühjahr kann eine Wachstumsregulierung des Bestandes nötig sein. Neben den konkreten Witterungsbedingungen spielen die genetische Standfestigkeit und die Länge der Sorte eine entscheidende Rolle.

Lager im Raps muss vermieden werden. Lager erschwert den Drusch und führt zu erheblichen Ertragsverlusten. Durch Wachstumsregler-Einsatz im Frühjahr lässt sich bei Winterraps erstens die Wuchshöhe begrenzen und zweitens die Standfestigkeit verbessern, um der Lagerbildung vorzubeugen. 

Für die Wachstums-Regulierung im Frühjahr sind einige Faktoren beim Winterraps entscheidend. Die genetische Standfestigkeit und die Länge der Sorte sind dabei maßgebend. Im Entwicklungsverlauf sollten die Bestandsdichte und Durchwuchs-Raps beachtet werden. In Abhängigkeit vom Standort sind außerdem Witterung im Frühjahr, Niederschlagsverteilung und Nährstoffnachlieferung aus dem Boden wichtige Kriterien.

Schädlinge und Krankheiten bis zur Ernte

Die Produktivität der Pflanzenproduktion hängt unmittelbar mit dem Auftreten von Schaderregern zusammen, wobei diese in den gemäßigten Klimazonen von über 50% bewirken können. Die hierzulande wichtigsten Schaderreger im Rapsanbau sind zum einen Pilze und Viren, zum anderen Insekten und Unkräuter.

Die Wurzelhals- und Stängelfäule (Phoma lingam) ist die bedeutendste Rapskrankheit in Deutschland. Ausgehend von befallenen Ernterückständen werden Jungpflanzen durch Sporen infiziert, wodurch es zur Bildung von Blattflecken im Herbst kommt. Stark infizierte Pflanzen vermorschen am Stängel. Die Wasser- und Nährstoffversorgung ist eingeschränkt und das Lagerrisiko steigt. Eine vorzeitige Abreife mit erheblichen Ertragseinbußen sind die Folge.

Phoma-Resistenz mit RLM7-Genetik

Höchst effiziente und dauerhafte Basis für gesunde Rapsbestände ist die Genetik. Mit der RLM7-Resistenz steht das bislang stärkste Resistenzgen für höchste Widerstandskraft gegenüber Phoma-Befall zur Verfügung. Hybridrapssorten mit Phoma-Doppelresistenz tragen die RLM7-Resistenz und zusätzlich eine breit basierte Feldresistenz gegenüber Phoma. Dadurch wird das Schutzniveau erhöht und die Wirksamkeit für die Zukunft abgesichert.

Der Pilz tritt beim Raps nur dann auf, wenn die Bestände bereits durch Frost geschädigt wurden. Im Feld findet man meistens nur Befall an Einzelpflanzen. Der Erreger ist als grau-blauer Pilzrasen erkennbar und bei stängelumfassendem Befall brechen die Pflanzen an der Infektionsstelle ab.

Als vorbeugende Maßnahme verspricht die Wahl winterharter Sorten am meisten Erfolg.

Die Krankheit ist in Deutschland weniger bedeutend als in England oder Frankreich, tritt aber auf Grund der milderen Winter inzwischen häufiger auf. Ab Herbst treten an den Blättern runde, weiß liche Flecken auf, die bei weite- rem Krankheitsverlauf zusammen fließen. Im Frühsommer finden sich an den Stängeln längliche Flecken mit braunem Rand und Rindeneinrissen. Die Krankheit kann zu erheblichen Ertragseinbußen führen. 

Die durch den Pilz Sclerotinia sclerotiorum verursachte Weißstängeligkeit ist eine typische Fruchtfolgekrankheit und tritt in allen Anbaulagen des Rapses auf. Ertragsverluste von bis zu 30% sind keine Seltenheit. Damit zählt die Krankheit zu den wichtigsten Schaderregern im Rapsanbau. Sortenresistenzen sind bisher nicht bekannt, dafür zeigen Fungizidbehandlungen in der Vollblüte eine gute Wirksamkeit.

Ausgangspunkt des Befalls sind Dauerkörper im Boden, die namensgebenden Sklerotien. Im Frühjahr keimen die Sklerotien und während der Rapsblüte werden Sporen ausgeschleudert. Diese gelangen mit dem Wind auf die Rapspflanzen. Besonders abgefallene Blütenblätter in Blattachseln bieten den Sporen einen günstigen Nährboden mit ausreichend Feuchtigkeit für die Infektion. Erste Symptome treten nach der Rapsblüte auf. In den Blattachseln zeigen sich hellgraue, längliche Flecken, die meist stängelumfassende Vermorschungen verursachen. Befallene Stängel färben sich weißlich und die Bestände zeigen nesterweise Notreife. Im Stängelinneren bilden sich die schwarzen Sklerotien aus, die mit den Ernterückständen in den Boden gelangen.

Vorbeugungs- und Bekämpfungsmaßnahmen

  • 30 % Raps in der Fruchtfolge nicht überschreiten 
  • Prognosemodelle als BekämpfungsEntscheidung nutzen
  • Blütenbehandlung mit Fungiziden in der Vollblüte
  • Stoppel-Spritzung mit Contans WG reduziert Sklerotien im Boden
  • Kalkstickstoff im Frühjahr reduziert Sklerotienkeimung

Rapswelke ist eine typische Fruchtfolgekrankheit und tritt verstärkt in engen Rapsfruchtfolgen auf.

Der Erreger Verticillium longisporum ist ein bodenbürtiger Pilz, der die Rapswurzeln im zeitigen Herbst infizieren kann. Von dort breitet sich der Erreger über die Leitungsbahnen zumeist ohne äußerlich sichtbare Symptome in der Pflanze aus. Ältere Blätter können aufgrund der Verstopfung der Leitbündel durch Pilzmyzel halbseitig vergilben.

Deutlichere Symptome treten erst sehr spät zur Abreife auf. Zunächst bilden sich halbseitig, später stängelumfassende rehbraune Verfärbungen, die im weiteren Krankheitsverlauf silber grau bis schwarz erscheinen. Eine sichere Identifizierung erfolgt, indem man verdächtige Pflanzen der Länge nach aufschneidet. Das Stängelmark ist bei Befall runzelig und schwarz verfärbt.

Bei genauerem Hinsehen kann man unter der Stängelepidermis die schwärzlichen Mikrosklerotien, den sogenannten „Eisenstaub“, erkennen. Nach der Ernte verbleiben diese Mikrosklerotien als Infektionsmaterial auf der Fläche und überdauern dort viele Jahre. Die „Rapswelke“ führt schließlich zu Notreife, wobei Ertragsverluste von – im Einzelfall – 50 % und mehr möglich sind. Eine direkte Bekämpfung der Krankheit ist nicht möglich.

Um jedoch neuen Infektionen vorzubeugen, ist es sinnvoll, das Infektionspotenzial im Boden nicht anzureichern. Darum sollte die Rapsfruchtfolge aufgelockert werden und der Anbau kreuzblütiger Zwischenfrüchte (z.B. Senf) unterbleiben.

Kohlhernie, hervorgerufen durch den bodenbürtigen Erreger Plasmodiophora brassicae, gewinnt in den Kernregionen des Rapsanbaus zunehmend an Bedeutung. Ausgangspunkt der Infektion sind die Dauersporen im Boden. Bei ausreichender Feuchtigkeit werden Zoosporen freigesetzt, die die Jungpflanzen infizieren. In Folge der Vermehrung des Erregers im Wurzelgewebe kommt es zu den typischen gallenartigen Wucherungen, an denen sich die Krankheit identifizieren lässt. Dadurch wird der Wurzelapparat zerstört und die Pflanze kann kein Wasser bzw. keine Nährstoffe mehr aufnehmen und stirbt ab. Das infizierte Wurzelgewebe verrottet und entlässt dabei die Sporen in den Boden.

Die Fruchtfolge-Krankheit Kohlhernie ist in intensiven Rapsanbauregionen zu einem ernsten Problem geworden. In besonderem Maße sind Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern betroffen, aber auch in anderen Regionen nimmt der Befall zu. Gründe dafür sind ein sehr hoher Rapsanteil in der Fruchtfolge, ungenügende Ausfallrapsbekämpfung, zu geringe Aufkalkung des Bodens und der überbetriebliche Maschineneinsatz. Da Kohlherniebefall nicht selten zum Totalausfall der Kultur führt und der Anbauer nicht "reparierend" eingreifen kann, wenn die Infektion erstmal erfolgt ist, hat Befallsvorbeugung höchste Priorität.

Trotz aller Vorbeugung hat sich die Kohlhernie auf zahl reichen Flächen ausgebreitet. Da die Krankheit im Boden 20 Jahre überleben kann, ist dort der Anbau resistenter Sorten alternativlos. In Deutschland wurden diese zur Ernte 2016 auf schätzungsweise 75.000 ha angebaut. Allerdings kann aufgrund der großen Rassenvielfalt des Erregers keine 100%ige Garantie auf Befallsfreiheit geboten werden. Jedoch gewährleisten die aktuellen Sorten in den meisten Fällen sicheren Schutz gegenüber wirtschaftlich bedeutendem Kohlherniebefall. Vorbeugende pflanzenbauliche Maßnahmen gegen Kohlhernie Fruchtfolge einhalten: max. 30 % Raps, Verzicht auf Zwischen früchte wie Senf, Ölrettich und RübsenAckerhygiene: frühe und konsequente Bekämpfung von Ausfallraps und UnkräuternStaunässe möglichst verhindern: Schwachstellen in der Drainage beseitig enAnheben des Boden-pH-Wertes durch Aufkalkung

Die wichtigsten Fakten zum Wasserrüben Vergilbungsvirus

Virusbefall stellt neue Herausforderung im Rapsanbau dar Das Wasserrübenvergilbungsvirus (Turnip Yellows Virus, TuYV) im Raps wurde bislang kaum bewusst wahrgenommen. Sein Auftreten wird in den meisten Fällen nicht erkannt und die Bedeutung in der Forschung und Züchtung war eher gering. Doch aufgrund veränderter Rahmenbedingungen rückt das Virus immer weiter in den Fokus. Was es mit dem Virus, seiner Biologie, seinem Auftreten und seinen Schadwirkungen im Raps auf sich hat, soll im Folgenden vorgestellt werden.

Woher stammt TUYV? 

Das Virus gehört zur Familie der Luteoviridae, wie beispielsweise auch das Gerstengelbverzwergungsvirus (BaYDV) oder auch das Potato leafroll virus (PLRV).

Welche Symptome sprechen für das Virus?

  • Blattrötung an Spitzen und Rand 
  • Verkleinerte Blattfläche 
  • Verringerte Wuchshöhe und weniger Hauptzweige – Verringerte Kornzahl in der Schote 

 Welche Auswirkungen hat das Virus? 

  • Verminderter Ölgehalt 
  • Erhöhter Gehalt an Eruca säure und Glucosinolat im Samen – Ertrags verlust

TuYV­Befallssituation in Deutschland

Die Symptome auf den Blättern sind oft nicht eindeutig, darum ist eine Absicherung des Auftretens durch einen LaborTest notwendig. Befallserhebungen wurden im Frühjahr 2015 und 2016 in Zusammenarbeit mit der University of Warwick, der Leibniz-Universität Hannover und dem Julius Kühn-Institut in Quedlinburg durchgeführt. Die Studien gaben Hinweise auf einen sehr hohen TuYV-Befall der Rapsbestände in Nord- und Ostdeutschland sowie einen mittleren Befall im Süden – wobei die wärmeren Lagen im süd lichen Bereich auch hoch befallen waren.

Warum wird TuYV zur größeren Herausforderung?

Das Virus im Raps gibt es schon lange, doch erst seit kurzem ist es aufgrund folgender Aspekte in den Fokus gerückt:

  • Wegfall der insektiziden Beizung 
    Bis 2014 waren junge Rapspflanzen bis weit in den Herbst hinein durch systemische Beizmittel nicht nur vor Rapserdfloh und Kohlfliege, sondern auch vor virusübertragenden Blattläusen geschützt. Seit dem Wegfall der insektiziden Beizung ist es nahezu unmöglich, Blattläuse zielsicher zu bekämpfen, denn sie sind inzwischen gegen die meisten Spritzmittel resistent. Erschwerend kommt hinzu, dass sich vor allem die Herbstinfektion des TuYV ertragsmindernd auswirkt.
  • Klima­Erwärmung 
    Mildere Temperaturen im Herbst und im Winter ermöglichen es den Blattläusen, länger in den Rapsbeständen aktiv zu sein und das Virus von Pflanze zu Pflanze aus zubreiten.
  • Greening­Auflagen 
    Viele Leguminosen und Zwischenfrüchte dienen sowohl als Rückzugsraum für Blattläuse als auch als Wirtspflanzen für das Virus und stellen damit „ Grüne Brücken“ dar.

Was tun gegen TuYV?

  • Ackerhygiene: strikte Beseitigung von Ausfallraps und Unkräutern
  • Fruchtfolgeanpassung: keine Leguminosen oder Zwischen früchte unmittelbar vor dem Raps
  • Intensive Blattlauskontrolle
  • Sicherung eines lückenlosen Rapsbestandes im Herbst 
  • Anbau TuYV-resistenter Hybridrapssorten

Rapssorten mit Virusresistenz

Aus der Rapszüchtung von Limagrain stehen bereits Sorten mit Resistenz gegen das TuYVVirus im offi ziellen Zulassungsverfahren. Diese Hybriden erbrachten zur Ernte 2015 einen deutlichen Mehrertrag gegenüber den herkömmlichen Sorten. Nach ersten Einschätzungen kann davon ausgegangen werden, dass ein Befall mit TuYV zu Ertragsverlusten von 5 bis 15 % führt.

Ausnutzung des Ertragspotenzials

Um am Ende tatsächlich den gewachsenen Ertrag ohne Verluste einfahren zu können, müssen Timing und Technik stimmen. Sorten, die einen frühen Drusch ohne den sonst üblichen Ausfall erlauben und auch bei schlechtem Wetter den Ertrag nicht gefährden, sind dabei von besonderer Bedeutung.

Was Sie schon immer über TuYV wissen wollten!

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