Selten waren die Bedingungen für den Maisanbau so schwierig wie in diesem Jahr. Ausbleibende Niederschläge und lang anhaltende Hitze haben vielerorts zu deutlichen Stresssymptomen und uneinheitlichen Beständen geführt.
Umso wichtiger ist jetzt der richtige Erntezeitpunkt. Die folgenden Hinweise helfen Ihnen, Ihre Bestände richtig einzuschätzen und die bestmögliche Futterqualität zu sichern.
1. Nicht gestresster Mais: Der Mais entwickelt sich normal und reift physiologisch ab. Die Restpflanze ist vollständig intakt, die Kolben sind gut befruchtet, sichtbare Stresssymptome fehlen.
2. Mäßig gestresster Mais: Die Kolbenentwicklung verläuft weitgehend normal, die unteren Blätter sind aber bereits abgestorben. Tagsüber rollen sich die Blätter als Reaktion auf den Trockenstress ein, öffnen sich in den kühleren Abend- und Nachtstunden aber wieder.
3. Stark gestresster Mais: Deutlicher Trockenstress mindert den Ertrag sichtbar: Die Kolben bleiben in der Entwicklung zurück, die Blätter sterben bis zum kolbennahen Blatt ab. Weil die Pflanze den Wasserstress nicht mehr ausgleichen kann, bleiben die Blätter auch nachts eingerollt.
4. Kolbenloser Mais: Unter extremem Stress bildet die Pflanze keine Kolben aus oder stellt die Kolbenentwicklung vollständig ein. Diese Bestände sollten Sie immer als Sonderfall behandeln.
Etwa 50 % des Ertrags stammen aus der Restpflanze, die anderen 50 % aus dem Kolben. Für die Bewertung des Trockenmassegehalts (TS-Gehalt) zählt deshalb nicht nur die Pflanze, sondern vor allem die Entwicklung des Kolbens.
Die Restpflanze liegt bei rund 20 % TS. Der Kolben befindet sich in der Teigreife, tritt kein Saft mehr aus, liegt sein TS-Gehalt bei etwa 50 %.
→ TS-Gehalt der Silage ≈ (20 % + 50 %) / 2 = 35 %
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Die Restpflanze reift stärker vor und erreicht etwa 26 % TS. Der vergleichsweise noch normal ausgebildete Kolben steht in der frühen Teigreife bei rund 42 % TS – die Milchlinie ist deutlich sichtbar, beim Quetschen tritt aber noch Saft aus.
→ TS-Gehalt der Silage ≈ (26 % + 42 %) / 2 = 34 %
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Ohne Kolben fehlt der wichtigste TS-Bringer – die Restpflanze muss den nötigen Trockenmassegehalt allein erreichen. Bis sie die für eine sickersaftfreie Ernte nötigen rund 30 % TS erreicht, ist sie meist schon stark vertrocknet und strohig. Das bringt mehrere Probleme mit sich:
Trockenstress bedeutet für viele Betriebe gleichzeitig Futtermangel. Öffnen Sie vorhandenes Winterfutter deshalb möglichst nicht vorzeitig, sondern verfüttern Sie kolbenlosen Mais bevorzugt frisch. Die Mengen sind wegen des geringen Ertrags meist überschaubar, und die hohe Feuchte macht das Futter für die Kuh attraktiv.
Mischen Sie kolbenlose Bestände mit normalem, silierreifem Erntegut. Der "normale" Mais wirkt dabei ausgleichend: Er nimmt überschüssige Feuchtigkeit und Sickersäfte auf, verbessert die Verdichtbarkeit im Silo und unterstützt eine stabile, verlustarme Gärung.
Halten Sie das Silo bei einem hohen Anteil kolbenloser Pflanzen möglichst lange geschlossen, damit die Gärung vollständig abschließen kann. Siliermittel können zusätzlich sinnvoll sein:
Gerade bei stark geschädigten Beständen (z.B. nach Hagel oder extremer Trockenheit) kann das einen wichtigen Beitrag zu Futterqualität und Lagerstabilität leisten.