Mais mit Trockenstress

Trockenstress im Silomais:
Worauf es bei der Ernte ankommt!

Selten waren die Bedingungen für den Maisanbau so schwierig wie in diesem Jahr. Ausbleibende Niederschläge und lang anhaltende Hitze haben vielerorts zu deutlichen Stresssymptomen und uneinheitlichen Beständen geführt.

Umso wichtiger ist jetzt der richtige Erntezeitpunkt. Die folgenden Hinweise helfen Ihnen, Ihre Bestände richtig einzuschätzen und die bestmögliche Futterqualität zu sichern.

Wie steht Ihr Maisbestand da?

1. Nicht gestresster Mais: Der Mais entwickelt sich normal und reift physiologisch ab. Die Restpflanze ist vollständig intakt, die Kolben sind gut befruchtet, sichtbare Stresssymptome fehlen.

2. Mäßig gestresster Mais: Die Kolbenentwicklung verläuft weitgehend normal, die unteren Blätter sind aber bereits abgestorben. Tagsüber rollen sich die Blätter als Reaktion auf den Trockenstress ein, öffnen sich in den kühleren Abend- und Nachtstunden aber wieder.

3. Stark gestresster Mais: Deutlicher Trockenstress mindert den Ertrag sichtbar: Die Kolben bleiben in der Entwicklung zurück, die Blätter sterben bis zum kolbennahen Blatt ab. Weil die Pflanze den Wasserstress nicht mehr ausgleichen kann, bleiben die Blätter auch nachts eingerollt.

4. Kolbenloser Mais: Unter extremem Stress bildet die Pflanze keine Kolben aus oder stellt die Kolbenentwicklung vollständig ein. Diese Bestände sollten Sie immer als Sonderfall behandeln.

Wie kann ich den Trockenmassegehalt einschätzen?
Einfaches Rechenbeispiel.

Etwa 50 % des Ertrags stammen aus der Restpflanze, die anderen 50 % aus dem Kolben. Für die Bewertung des Trockenmassegehalts (TS-Gehalt) zählt deshalb nicht nur die Pflanze, sondern vor allem die Entwicklung des Kolbens.

Normaler Mais ohne Trockenstress

Die Restpflanze liegt bei rund 20 % TS. Der Kolben befindet sich in der Teigreife, tritt kein Saft mehr aus, liegt sein TS-Gehalt bei etwa 50 %.

→ TS-Gehalt der Silage ≈ (20 % + 50 %) / 2 = 35 %

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Gestresster Mais mit Kolben

Die Restpflanze reift stärker vor und erreicht etwa 26 % TS. Der vergleichsweise noch normal ausgebildete Kolben steht in der frühen Teigreife bei rund 42 % TS – die Milchlinie ist deutlich sichtbar, beim Quetschen tritt aber noch Saft aus.

→ TS-Gehalt der Silage ≈ (26 % + 42 %) / 2 = 34 %

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Sonderfall: Kolbenloser Mais

Ohne Kolben fehlt der wichtigste TS-Bringer – die Restpflanze muss den nötigen Trockenmassegehalt allein erreichen. Bis sie die für eine sickersaftfreie Ernte nötigen rund 30 % TS erreicht, ist sie meist schon stark vertrocknet und strohig. Das bringt mehrere Probleme mit sich:

  • schwierigere Verdichtung im Silo durch den sogenannten Schwammeffekt
  • höheres Risiko für Nacherwärmung
  • deutlich schlechtere Silierbarkeit
  • geringere Verdaulichkeit durch Verholzung der Restpflanze
  • niedrigen Ertrag und eingeschränkten Futterwert

Zwei Wege im Umgang mit kolbenlosem Mais:

Frisch verfüttern

Trockenstress bedeutet für viele Betriebe gleichzeitig Futtermangel. Öffnen Sie vorhandenes Winterfutter deshalb möglichst nicht vorzeitig, sondern verfüttern Sie kolbenlosen Mais bevorzugt frisch. Die Mengen sind wegen des geringen Ertrags meist überschaubar, und die hohe Feuchte macht das Futter für die Kuh attraktiv.

Silieren:

Mischen Sie kolbenlose Bestände mit normalem, silierreifem Erntegut. Der "normale" Mais wirkt dabei ausgleichend: Er nimmt überschüssige Feuchtigkeit und Sickersäfte auf, verbessert die Verdichtbarkeit im Silo und unterstützt eine stabile, verlustarme Gärung.

Darauf sollten Sie bei der Silierung achten:

Halten Sie das Silo bei einem hohen Anteil kolbenloser Pflanzen möglichst lange geschlossen, damit die Gärung vollständig abschließen kann. Siliermittel können zusätzlich sinnvoll sein:

  • Heterofermentative Milchsäurebakterien bilden verstärkt Essigsäure und verbessern dadurch die aerobe Stabilität nach dem Öffnen.
  • Chemische Siliermittel senken den pH-Wert rasch und stabilisieren die Silage frühzeitig.

Gerade bei stark geschädigten Beständen (z.B. nach Hagel oder extremer Trockenheit) kann das einen wichtigen Beitrag zu Futterqualität und Lagerstabilität leisten.

Wichtige Maßnahmen im Überblick

  • Häcksellänge anpassen: Je stärker der Trockenstress, desto kürzer die Häcksellänge – das verbessert die Verdichtbarkeit.
  • Sorgfältig verdichten: Dünne Schichten und intensive Verdichtung vermeiden Lufteinschlüsse und sichern eine stabile Gärung.
  • Walzgewicht beachten: Das Verdichtungsfahrzeug braucht genug Gewicht, um auch trockeneres Material sicher zu verdichten.
  • Ausreichend lange walzen: Neben dem Gewicht entscheidet auch die Verdichtungsdauer über die Silagequalität.
  • Silo lange geschlossen halten: Geben Sie problematischen Beständen genug Zeit für eine vollständige, stabile Gärung.
  • Siliermittel prüfen: Biologische und/oder chemische Mittel können Fehlgärungen reduzieren und die aerobe Stabilität verbessern.
  • Ausreichenden Vorschub sichern: Entnehmen Sie nach dem Öffnen täglich genug Futter, um Nacherwärmung und Hefewachstum zu vermeiden.
  • Erntezeitpunkt wählen: Häckseln Sie möglichst nicht in der Mittagshitze, um keine unnötig hohen Temperaturen ins Silo einzutragen.