LG: Guten Tag! Vielen Dank, dass wir heute Ihren Betrieb in Oberfranken besuchen dürfen. Sie wirtschaften im Landkreis Hof – einer Region, die seit Jahrhunderten für Braugerstenanbau und Braukultur steht. Können Sie Ihren Betrieb kurz vorstellen?
Moritz Freiherr von Waldenfels: Sehr gerne. Wir führen einen reinen Ackerbaubetrieb in Oberfranken, im Landkreis Hof. Die Region ist seit jeher ein traditionelles Braugerstengebiet, gleichzeitig aber auch ein Gebiet, in dem immer wieder Auswinterungen bei Winterungen auftreten. Sommerungen passen daher sehr gut in unsere Fruchtfolge.
Der Klimawandel verändert vieles – mittlerweile bauen wir auch Silomais zum Verkauf an. Allerdings bleiben Sommerungen wichtig, denn echte Alternativen sind hier oben rar und die Sommerbraugerste gehört seit Generationen einfach dazu.
LG: Ihr Betrieb ist eng mit der Brautradition der Region verbunden. Können Sie etwas zur Geschichte Ihrer Brauerei erzählen?
Landwirt: Sehr gerne. Die Ursprünge unserer Brauerei reichen bis ins Jahr 1535 zurück. Es folgten verschiedene Übergänge, unter anderem 1812 an Johann David Koch. Nach dem zweiten Weltkrieg ging die sogenannte von Koch’sche Brauerei in die Hände der Familie von Waldenfels über. Die Grenzöffnung war später ein echter Glücksfall: Es eröffneten sich neue Absatzwege, die Brauerei entwickelte sich hervorragend.
Doch nach 2000 wurde es zunehmend schwierig, wirtschaftlich mitzuhalten – auch, weil große Investitionen nötig gewesen wären. 2008 haben wir die Brauerei schließlich verkauft.
Vor zwei Jahren, also 2024, konnten wir die Markenrechte zurückkaufen. Seitdem wird unser Bier wieder im Lohnverfahren gebraut und abgefüllt – ganz nach unseren traditionellen Rezepten. Für viele Menschen hier in der Region ist das „ein Stück Heimat“, das zurückgekehrt ist. Wir verkaufen ausschließlich „ab Hof“ – und schaffen immerhin eine schwarze Null. Die Nachfrage zeigt: Traditionelles Bier hat weiterhin seinen festen Platz.
LG: Wie ordnet sich der Braugerstenanbau heute in Ihren Betrieb ein?
Landwirt: Der Anbau ist aktuell – wie bei fast allen Getreidearten – wirtschaftlich nicht einfach. Aber Alternativen fehlen, und Sommerungen helfen uns, Arbeitsspitzen im Herbst zu entzerren. Wir bestellen insgesamt etwa 100 Hektar Sommerungen wie Sommergerste, Erbsen oder Silomais. Und ackerbaulich gesehen wirken Sommerungen Resistenzen entgegen – das ist für uns ein zentraler Punkt.
LG: Sie gehören zu den frühen Anbauern von LG Caruso. Warum haben Sie sich für diese Sorte entschieden?
Landwirt: Eine Grundvoraussetzung für uns ist immer die Empfehlung des Berliner Programms. Damit ist die Vermarktung abgesichert. Als LG Caruso dort gelistet wurde, war für uns der Weg frei. Und tatsächlich waren wir gefühlt Anbauer der ersten Stunde – 2023 haben wir für IREKS auf 45 Hektar den Malzversuch angelegt.
LG: Wie hat sich die Sorte bei Ihnen entwickelt?
Landwirt: LG Caruso ist sehr einfach zu führen. 2023 war ein extrem schwieriges Jahr. Da hatten wir etwas Probleme mit verdecktem Auswuchs, aber das war witterungsbedingt und im Rahmen dessen, was alle in der Region erlebt haben. In Wahrheit konnte fast niemand Braugerstenqualität ernten.
2024 dagegen – ein feuchtes Jahr – haben wir im Betriebsschnitt fast 9 Tonnen pro Hektar geerntet. Und 2025, bei sehr geringen Niederschlägen, waren es 6,5 Tonnen. Mit beiden Ergebnissen war ich wirklich sehr zufrieden.
Die Ertragsstabilität ist für unsere Region essenziell. Wir haben regelmäßig Vorsommertrockenheit in Mai/Juni, dazu leichte Böden mit wenig Wasserhaltevermögen. LG Caruso kommt damit erstaunlich gut klar – egal ob nass oder trocken.
LG: Was schätzen Sie besonders an LG Caruso?
Landwirt: Mehrere Dinge:
Je nach Fruchtfolge stehen bei uns rund 30 bis 50 Hektar LG Caruso im Anbau.
Wir haben sogar einmal mit einer Winteraussaat experimentiert – 2024/25 auf einem Schlag. Aber davon sind wir wieder abgekommen.
LG: Was würden Sie Kollegen empfehlen, die über den Anbau von Sommerbraugerste nachdenken?
Landwirt: Wer Braugerste anbauen will, braucht eine Sorte, die sicher vermarktbar ist, stabil im Ertrag bleibt und gleichzeitig agronomisch unkompliziert ist. Für uns erfüllt LG Caruso genau diese Punkte. Gerade in Regionen wie unserer – mit Trockenphasen, leichten Böden und sehr schwankenden Jahren – spielt die Sorte ihre Stärken aus.
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